Im Frühjahr fand er am Bach eine Lärche, vom Winter abgeworfen, glatt geschliffen vom Wasser. Das Holz war widerspenstig, aber klangvoll. Aus dem Kern schnitzte er eine Schale, deren Rand die Strömung nachzeichnet. Besucher fragen nach Öl, er spricht von Geduld. Seine Hände zeigen winzige Narben, Karten eines Lernens. Heute riecht die Schale nach Brot, und jedes Frühstück erinnert leise an kaltes Wasser, nasse Schuhe, sonnigen Rückweg.
Sie sammelt Pflanzen, notiert Höhenlage und Monat, kocht langsam, beobachtet, wie Gelb zu Honig wird und Braun zu Tannennadel. Ihre Wolle erzählt von Wegen über Wiesen und Kies. Wenn sie spinnt, wartet sie auf den Moment, in dem der Faden leise summt. Dann weiß sie: die Tour war richtig. Ein Schal in Bergseegrün trägt einen Schafgeruch, der mit der Zeit verschwindet, aber die Erinnerung ans Läuten nie ganz verliert.
Wenn die Küche leer wird, öffnet sie das Fenster, hört den Bach und ordnet die Klöppelpaare. Das Muster hat sie von ihrer Tante, die jeden Fehler markierte, aber nie die Freude. Manchmal bleibt ein Knoten, dann legt sie die Arbeit weg, kocht Tee, atmet. Später löst er sich fast von allein. Die fertige Borte hängt am Spiegel, bis ein Fest kommt. Dann begleitet sie ein Lächeln durch den Raum.
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